
13 Mädchen und Jungen einer 4. Schulklasse der Karmeliterschule haben am Freitag, den 03.06.05, der Öffentlichkeit das Bahnhofsviertel aus ihrer Sicht gezeigt. Sie zogen durch die Münchener Straße bis zum Hauptbahnhof und präsentierten die selbst gemachten Fotos der schönen und der gar nicht so schönen Seiten ihres Bahnhofsviertels. Ecken, Orte, Häuser, Flecken und Fleckchen, an denen sie sich gerne oder häufig aufhalten. Aber auch Plätze und Zustände, die sie nicht gut finden, die ihnen Angst machen. „Wo ICH wohne!“ hieß das Kunstprojekt, das die Karmeliterschule, das Internationale Kinderhaus und der Evangelische Regionalverband in Kooperation durchführten. Die stellvertretende Schulleiterin, Inken Matzen, und der Leiter des Internationalen Kinderhauses, Christian Telschow, hatten dieses Fotoprojekt im Rahmen des stadtweiten Projekts „Linie 11“ konzipiert. Hans Neubeck, Mitarbeiter der Verwaltung, war als Fotografenmeister die ideale künstlerische Ergänzung. Er führte die Kinder in die digitale Fotografie ein und gab einigen Fotos den erforderlichen Feinschliff.
Aufgrund der guten, langjährigen Kooperation zwischen Internationalem Kinderhaus und Karmeliterschule war es möglich das Foto-Projekt "Wo ICH wohne!" in den Kunstunterricht einer 4. Klasse zu integrieren. In acht Dopelstunden wurden zunächst die Grundlagen digitaler Fotografie vermittelt, anschließen ging es in zwei bis vier Gruppen auf Motivjagd. Die gemeinsame Betrachtung der jüngsten Schnappschüs-se war der Abschluss jeder Doppelstunde.
In Vorbereitung auf die abschließende Präsentation mußten aus ca. 400 Fotos 26 ausgewählt werden, da jedes Kind ein "Vorfahrts-" oder "Stopp-Schild", auf das zwei Fotos geklebt waren, trug. Die stilisierten Verkehrsschilder mit den Fotos sollten deutlich machen, ob die Aussage des jeweiligen Fotos von den Kindern positiv oder kritisch bzw. negativ gesehen wurde. Die Gesamtmenge der Motive war für alle Beteiligten beeindruckend.
Die drei wichtigsten Erfahrungen der Kinder waren: Erstens die Begeisterung für diditale Fotografie. Zweitens erfuhren sie eine Stärkung ihres Selbstbewußtseins durch die Präsentation der Fotos in der Öffentlichkeit. Und drittens wurde die Anerkennung des Perönlichkeitsrechts anderer zum wiederkehrenden Thema, da vor der Veröffentlichung von Fotos die darauf abgebildeten Personen grundsätzlich um Erlaubnis gefragt werden müssen. Die pädagogischen Kräfte haben insbesondere Erfahrungen mit der Digitaltechnik gemacht.
Die Kooperation zwischen Kinderhaus und Schule hat sich bewährt und vertieft. Die Bereitschaft des Fotografen zu Mitarbeit, seinen offenen und einfühlsamen Umgang mit den Kindern sowie die fachliche Finesse haben wir sehr geschätzt. Und da das Foto-Projekt nachhaltig wirken soll, wurden bereits weitere Projekte in der eingespielten Kooperation angedacht. Dabei kommt uns sehr entgegen, dass Hans Neubeck auf sein Honorar verzichtet hat, und wir den Großteil der Projektgelder in digitale Fotoausrüstung investieren konnten, auf die wir in Zukunft zurückgreifen können.